Ausblick von einem erhöhten Punkt über Tannen und sanfte Hügel. Der Himmel ist ein Mix aus blau und Wolken.

Postkartenidylle mit SuperlativenHöher, tiefer, weiter: der Kaiserstuhlpfad

24.11.2025von Evelyn und Ralph Scheer | unser BW
Der prämierte Kaiserstuhlpfad führt auf die höchsten Erhebungen, durch Weinberge, Wälder und tiefe Lösshohlgassen. Das verspricht Abwechslung pur!

In der wärmsten Region DeutschlandsNaturzauber zwischen Schwarzwald und Vogesen

Schon lange steht der Kaiserstuhlpfad auf unserer Bucketlist. Wir wollten möglichst viel von der traumhaften Kulturlandschaft mit den zig Sonnenstunden sehen. Den Rest eines einst großen Vulkangebirges, abgetragen von Wind, Regen und Frost. Was liegt da näher, als einmal längs von Norden nach Süden durch den Kaiserstuhl zu wandern? Gesagt, getan – da lassen wir uns nicht davon abhalten, dass Petrus gerade schlechte Laune hat. Es regnet, doch das Wanderabenteuer ruft. Rund 22 Kilometer und rund 700 Höhenmeter liegen vor uns. Der Blick auf das Höhenprofil zeigt ein munteres Auf und Ab und ähnelt einem zackigen Drachenrücken. Kein Wunder, sind doch die drei höchsten Erhebungen des Kaiserstuhls, der Totenkopf, die Eichelspitze und der Katharinenberg, zu erklimmen.

Das Wanderabenteuer beginnt

Nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ starten wir unsere Tour. Mit Schirm, Regenjacken, Wanderstiefeln und prall gepackten Rucksäcken stehen wir am Bahnhof in Ihringen. Wir parken gerne am Ziel, fahren mit den Öffis zum Startpunkt und wandern zurück. Das hat den Vorteil, dass man die Öffis besser timen kann und nach der Tour nicht warten muss. Wir kommen pünktlich in Endingen an. Die Orientierung fällt leicht, da der Kaiserstuhlpfad als Qualitätswanderweg gut ausgeschildert ist. Los geht’s durch die mittelalterliche Endinger Altstadt. In einem Café in der Hauptstraße lassen wir uns noch ein Tässchen Kaffee schmecken. Weiter wandern wir über den Marktplatz mit dem schmucken Rathaus zum Erleweiher. Zum Baden lädt das Gewässer heute allerdings nicht ein.

Tipp

Der Kaiserstuhlpfad ist ganzjährig begehbar. Für eine üppige Flora (auch Orchideen) sind Frühling und Sommer die idealen Jahreszeiten. Im Herbst leuchten dafür die bunten Blätter der Bäume und Reben, der Winter wiederum hat einen ganz eigenen Reiz.

Aussicht nach dem AufstiegKastanien und Katharinenberg

in schmaler Pfad führt uns nach zwei Kilometern durch die Gus-Zimmermann-Allee im Erletal. Mächtige, über 100 Jahre alte Kastanien stehen Spalier und bilden ein schützendes Blätterdach. Anschließend heißt es Kräfte mobilisieren. Der Anstieg zur Katharinenkapelle folgt nach weiteren zwei Kilometern. Die Wolken hängen tief. Sie scheinen sich wie ein Schleier auf die Baumkronen der Buchen gelegt zu haben, die die Nordflanke des Kaiserstühler Hauptkamms säumen. Wir tauchen in die mystische Nebelwelt ein. Auf dem Katharinenberg angekommen reißt der Himmel etwas auf und wir genießen die Aussicht über die Rheinebene bis zum nahen Schwarzwald und den Vogesen. Was sind wir doch für Glückspilze.
Ein naturnaher Weg schlängel sich zwischen großen Bäumen rechts und links des Weges hindurch.
Wandern unter einem Blätterdach
Auch diese Kastanienallee ist Teil des Kaiserstuhlpfads

Panoramablick übers weite LandDas Who is who der Schwarzwald- und Vogesengipfel

Nach einer Waldpassage folgt ein Szenewechsel. Die Landschaft öffnet sich, es wird heller. Der Blick schweift weit über die sanften Hügel. Wir wandern auf einem Pfad durch blütengesprenkelte Wiesen. Die Aussicht auf die terrassierten Weinberge ist phänomenal. Der Badberg und das Haselschacher Buck sind geschützte Biotope, in denen viele, teils seltene Tiere und Pflanzen beheimatet sind. Auf dem Weg zum Eichelspitzturm leuchten am Waldrand Dutzende von Fingerhüten in Pink und Weiß. Über 42 Meter ragt der stählerne Aussichtsturm in den Himmel, den wir nach knapp acht Kilometern erreichen. Genial ist hierbei der doppelte Nutzen, zum einen als touristischer Höhepunkt, zum anderen als Funkstandort. Bis zur Aussichtsplattform auf 28 Metern sind 127 Stufen zu überwinden. Belohnt wird der Aufstieg mit einem spektakulären 360-Grad-Panoramablick. Vor unseren Augen präsentiert sich das Who’s who der Schwarzwald- und Vogesenberge. Darunter sind die jeweils höchsten der beiden Mittelgebirge: der Schwarzwaldriese Feldberg mit seinen 1.493 Metern und der Vogesengigant Grand Ballon mit 1.424 Metern. Zu unseren Füßen gibt es Weinberge, so weit das Auge reicht. Hier ist die Heimat des Burgunders und anderer feiner Tropfen. Hmmm, lecker, doch das Glas Wein muss warten.

Orchideenwiesen und eine Rebenarena

Nur kurz machten die Wolken Platz für die unvergessliche Sicht. Jetzt senken sie sich wieder fluffig auf unsere Köpfe herab. Wir könnten sie streicheln. Der Himmel verdunkelt sich, drohend mahnt er uns, weiterzuwandern. Ein Schwarm Schwalben zieht blitzschnell in den Wolkenfetzen seine Kreise. Rasch werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, als die Eichelspitze noch eine baumlose Wiesenlandschaft war. Heute ist sie bewaldet und vom gleichnamigen Turm gekrönt. Um 1400 stand an diesem Ort eine Einsiedelei mit einer Kapelle. Ein Mauerrest ist noch vorhanden. Weiter geht es zum Vogelsang-Pass, der jetzt im Frühsommer von einem kunterbunten Blütenteppich überzogen ist. Von den im Kaiserstuhl wachsenden 36 verschiedenen Orchideenarten entdecken wir gleich drei auf Anhieb: einige purpurfarbene Pyramiden-Orchideen, nach Ziege riechende Bocksriemenzungen und eine chlorophylllose, braune Nestwurz. Bei solch einer Blütenpracht vergisst man fast den Blick in die Ferne. Doch der lohnt sich! Die Rebterrassen sind hier wie in einer halbkreisförmigen Arena angelegt.
Ausblick auf einen bewaldeten Berg mit einem Turm darauf. Davor liegen Terassen von Weinreben. Im Vordergrund blüht rot der Klatschmohn.
Ein Mann in orangener Jacke steht auf einem Aussichtsturm am Geländer und schaut in die Ferne.
Farbtupfer in der Landschaft
Der rote Klatschmohn und die grünen Weinberge bilden ein tolles Farbspiel
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Hinauf zum TotenkopfHöchste Erhebung im Kaiserstuhl

Durch Weinberge und durch von knallrotem Klatschmohn gesäumte Lösswege erreichen wir nach knapp elf Kilometern den höchsten Punkt des Kaiserstuhls. Es ist der Totenkopf, der bis auf eine Höhe von 557 Metern emporragt. Etwas unterhalb des Gipfels steht der Neunlindenturm, 1900 erbaut vom Badischen Schwarzwaldverein. Von der Aussichtsplattform werfen wir einen Blick zurück entlang des Kaiserstühler Hauptkamms bis zum Katharinenberg und wiederum bis zu den umliegenden, nun wolkenverhangenen Gipfeln.

Löss – Paradies für Tiere und Grundlage feiner Weine

Was wäre der Kaiserstuhl ohne seine Lösswände und Lösshohlwege aus verfestigtem, pulverisiertem Gestein? Für Wildbienen, Wespen und den wohl schönsten der Kaiserstühler Vögel, den Bienenfresser, sind die Lösswände so etwas wie ein Grand Hotel: Es gibt Sonne, Nahrung und Platz zum Brüten – alles im Überfluss. Die unzähligen Löcher, die sich wie Höhlenwohnungen aneinanderreihen, zeugen davon. Knapp 15 Meter tief hat sich die Eichgasse in Vogtsburg-Bickensohl in den weichen Löss gegraben. Tausende Fahrten mit Ochsenkarren und Regen schufen in hunderten von Jahren den prächtigsten Hohlweg des Kaiserstuhls. Es ist beeindruckend, hier, den Blick auf die Steilwände gerichtet, entlangzuwandern.

Tipp

Du kannst die Bienenfresser etwa von Ende Mai bis Mitte September gut in den Lösswänden beobachten. Bei starkem Wind oder Regen sieht man sie seltener, da auch ihre Beute, die Insekten, weniger herumfliegen.

Badischer Genuss zum Schluss

Da unser Wanderproviant mittlerweile aufgebraucht ist und uns ein leichtes Hungergefühl plagt, machen wir einen kleinen Abstecher ins Zentrum von Vogtsburg-Bickensohl. Dort kaufen wir etwas Käse und ergattern sogar noch Knäckebrot dazu. Mittlerweile sind wir durchnässt und schlammig und machen wohl einen bemitleidenswerten Eindruck. Eine Kundin im Käseladen kann kaum glauben, dass wir in unserem „Zustand“ noch gut acht Kilometer bis Ihringen auf Schusters Rappen zurücklegen wollen. Gleich käme ein Bus, meint sie. Kurzerhand springt sie auf die Straße, um mit einem Handzeichen den nächsten Bus zu stoppen. Wild gestikulierend ruft sie uns zu sich und dem geduldig wartenden Busfahrer. Ihre Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit sind rührend. Die Versuchung ist groß, einfach in den mollig warmen Bus einzusteigen und die nassen, kalten Füße zu wärmen. Doch nein, wir haben ein Ziel und ziehen das jetzt durch. Glücklich und ein wenig stolz erreichen wir nach rund zehn Stunden Wanderzeit das Winzerdorf Ihringen. Dort erwartet uns das berühmte Ihringer Weinfest. In einem Festzelt gönnen wir uns etwas typisch Badisches: Scheufele mit Kartoffelsalat und endlich das verdiente Viertele Grauburgunder. Wir scrollen durch unsere Fotos und Videos und sind uns sicher: Der Kaiserstuhlpfad bleibt auf der Bucketlist. Das nächste Mal aber bei Sonnenschein.

Entspannte An- und Abreise

Start- und Zielpunkt sind gut mit der Breisgau-S-Bahn und der Kaiserstuhlbahn erreichbar. Sie fahren stündlich und täglich. Sogar kostenlos für Gäste mit der KONUS-Gästecard.

Für euch unterwegsUnsere Reporter:innen

Eine Frau und ein Mann in Wanderklamotten knieen in einer Blumenwiese und schauen in die Kamera.
Evelyn und Ralph Scheer | unser BW

Evelyn und Ralph sind ein abenteuerlustiges Ehepaar, das die Welt am liebsten zu Fuß entdeckt. Besonders gerne sind sie in ihrer Heimat Baden-Württemberg unterwegs. Mit ihren Fotos und Storys inspirieren die Journalistin und der Fotojournalist in vielen Medien, auf ihrem Blog und Social Media.

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