Eine alte Militär- und Kasernenanlage von oben

Entdecke die skurrilsten Seiten des Südens8 Lost Places in Baden-Württemberg, die du nicht vergisst.

14.1.20265 min. Lesedauervon Hirsch & Greif
So schön kann Verfall sein. Wenn du dich traust. Wie bei allen spannenden Lost Places gilt: Betreten auf eigene Gefahr, wo erlaubt.

Der Ort verfällt. Die Geschichte bleibt.Verlassene Orte für Unerschrockene

Verlassene Orte ziehen magisch an. Sehsuchtsorte seit jeher. Tatsächlich ist die vielleicht meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg ein Lost Place: Schloss Heidelberg. Verfallen seit 1784. Aber an dieser Stelle soll es nicht um Ruinen gehen, die alle kennen. Hier geht es um Geheimtipps. Um Schlösser, die erst vor Kurzem aufgegeben wurden. Um ein Freibad, das vor 50 Jahren zum letzten Mal mit Wasser gefüllt wurde, oder ein Dorf, das vor rund 90 Jahren radikal umgesiedelt wurde. Lost Places sind deshalb so schaurig, weil sie häufig eine Geschichte mitbringen, die nicht zwangsläufig in einem Happy End mündet. Aber so ist das Leben. Man sollte sich auch den Schattenseiten stellen und zugeben: Auch diese besitzen eine ästhetische Faszination.Ein Nebeneffekt der dunklen Kapitel: Wenn du eine gruselige oder nostalgische Stimmung einfangen möchtest, bist du an diesen Sehnsuchtsorten nicht auf schönes Wetter angewiesen. Manche freuen sich, wenn Nebelschwaden in der Luft hängen, andere brechen schon am hellen Morgen auf, um die Stimmung inklusive Morgentau einzufangen. Allerdings bitten wir um freundliche Beachtung: Viele Lost Places sind privat oder abgesperrt. Aus Gründen! Verboten ist verboten – und wo nichts dransteht, betrittst du die Orte in jedem Fall auf eigene Gefahr. Alle acht Tipps haben aber eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie sind allein wegen des Blicks von außen schon die Reise wert.
Luftaufnahme einer kurvenreichen Straße, die sich durch dichten Wald im Mittelgebirge windet, mit weitem Blick über bewaldete Hügel und Täler unter blauem Himmel
Luftaufnahme eines kleinen historischen Areals mit Kirche und Gebäuden, umgeben von herbstlichem Wald und weitläufigen Wiesen in sanfter Hügellandschaft.
Ruine eines historischen Sandsteinbaus mit offenen Fenstern und eingestürzten Mauern; davor ein abgestelltes Fahrrad am Eingangstor.
Straße zur Vergangenheit
Die Schwarzwaldhochstraße schlängelt sich durch dichte Wälder – kaum sichtbar wartet das Kurhaus Sand, ein Lost Place mit Geschichte.
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SÜDEN FACTSSÜDEN FACTSSÜDEN FACTSSÜDEN FACTSSÜDEN FACTS

# Lost Places

sind verlassene Orte voller Vibes, Staub und Stories.

Geisterhotel

an der Schwarzwaldhochstraße: Kurhaus Sand

Sehnsuchtsort

im Sperrgebiet – Albgut Münsingen und Dorf Gruorn

Schlossruine

im Kraichtal aus der Renaissance: Wasserschloss Menzingen

Rückzugsort

und alter Adelssitz: Schloss Marienwahl bei Ludwigsburg

Kulturdenkmal

im Grünen U: Villa Moser Stuttgart

Ruhestätte

Schlossfriedhof Dätzingen: ein verwunschener Ort

Kultort

mit Geschichte: Denkendorfer Krypta

Zeitinsel

Waldbad Beienfurt: ein Freibad im Dornröschenschlaf

#1 Was von der High Society übrig istKurhaus Sand, Schwarzwaldhochstraße

Pflichtstation für Lost-Place-Fans. Kaum zu glauben, aber wahr: Direkt an der Schwarzwaldhochstraße steht ein echtes Geisterhotel. Einst war hier Kaiserin Sissi zu Gast. Seit den 1990er Jahren ist das Hotel jedoch geschlossen. Der Verfall begann. 2007 starb die letzte Inhaberin. Sie hatte bis zu ihrem Tod im Kurhaus residiert. Das Besondere am heutigen Zustand ist, dass die meisten Räume in den Innenräumen original erhalten sind. Mit Patina obendrauf. Das denkmalgeschützte Gebäude ist zeitgeschichtlich so wertvoll, dass sich der Verein ‚Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße‘ um das Kurhaus angenommen hat. Er kümmert sich um den Erhalt des aktuellen Zustandes. Und diesen Zustand kann man nur als Lost Place wie aus dem Bilderbuch beschreiben. An manchen Wochenenden werden Führungen angeboten.

#2 Das Dorf, das nicht sein durfteGruorn, Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Das Dorf lebt! Gruorn wird niemals untergehen. Obwohl nur noch wenig vom Dorf übrig ist. Das Problem war der Truppenübungsplatz. Er wurde in den 1930er Jahren so erweitert, dass der 600-Einwohner-Ort weichen musste. Gruorn musste binnen zwei Jahren geräumt werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden umgesiedelt. Ob sie wollten oder nicht. Doch das Dorf erzählt auch eine schöne Geschichte. Die Geschichte vom Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn e. V., von dessen Engagement, von den Nachfahren, von Geschichtsinteressierten und anderen Unterstützern. Denn nicht nur in der Kirche herrscht wieder Leben, Gruorn ist ein Sehnsuchtsort, der gerne besucht wird. Das liegt allerdings auch daran, dass es den Truppenübungsplatz seit 20 Jahren nicht mehr gibt. Wo früher Panzer rollten, fahren heute Gäste und Naturfreunde mit Fahrrädern und E-Bikes. Mehr als 50 Kilometer Radwege führen durch eine einzigartige, unberührte Natur. Einmalig!

#3 Wie aus einer versunkenen ZeitMenzinger Wasserschloss-Ruine, Kraichgau

Wer es nicht kennt, könnte leicht daran vorbeifahren. Die Schlossruine liegt am Ortsrand von Menzingen, das zur Gemeinde Kraichtal gehört. Wenn du auf der Bundesstraße in Richtung Odenheim fährst, bitte nach links schauen, dann kannst du sie nicht übersehen. Kaum zu glauben, dass man diesen verwunschenen Ort aufgegeben hat. Romantische Fantasien erscheinen vor dem geistigen Auge, spätestens beim Blick auf die drei Türme, die scheinbar aus tiefem Morast herausragen. Das Wasserschloss war bis zum Zweiten Weltkrieg ein wundervoll erhaltenes Renaissanceschlösschen – übrigens mit gotischer Vorgeschichte. Nach dem Bombenhagel wurde es dem Verfall überlassen. Die kleine, aber großartige Ruine erscheint vielleicht deshalb so traumhaft, weil sie hermetisch abgesperrt ist. Privatbesitz. Aber allein die Perspektive von der Straße ist den Besuch unbedingt wert.

#4 Alles Glück dieser ErdeSchloss Marienwahl, Ludwigsburg

Es war einmal eine Prinzessin aus Württemberg. Sie liebte ihre Pferde über alles. Sie ritt täglich. Als sie älter wurde, widmete sie sich der Pferdezucht. Sie liebte ihre Tiere so sehr, dass sie eines Tages auf ihrer Pferdekoppel begraben werden wollte. Du denkst, das wäre ein Märchen? Nun, es ist die Wahrheit! Das Grab der Prinzessin liegt unweit von Schloss Marienburg, sozusagen im Schatten des großen Residenzschlosses und des Blühenden Barocks. Das kleine Schlösschen ist gut in Schuss. Die Stallungen stehen etwas entfernt. Als Ruine. Auf den Koppeln vor dem Stall verbrachte die Prinzessin die meiste Zeit ihres Lebens. Das kleine, gut erhaltene Schlösschen stammt aus dem Jahr 1824 und diente zeitweilig Prinz Wilhelm von Württemberg und seiner Familie als Rückzugsort. Doch die Bewohnerin, die dort am längsten lebte, war Prinzessin Pauline zu Württemberg. Wenn sie nicht gestorben wäre, würde sie noch heute reiten.

#5 Lost Place mit NiveauVilla Moser, Stuttgart

Als größte Bedrohung eines Lost Places gilt seine Instandhaltung – und damit herzlich willkommen in den Überresten der Villa Moser, dem vergessenen Ruinenpark im Herzen Stuttgarts. Die ehemalige Villa eines Schokoladenfabrikanten liegt im Norden der Stadt, direkt im toten Winkel der großen Prag-Kreuzung. Instand gesetzt wurde hier überhaupt nichts. Manch einer wird das bedauern. Wer Lost Places liebt, kann sich am rohen Charakter der Realität erfreuen. Sie wird durch keine Fürsorge gestört. In bester Aussichtslage verstecken sich Mauern und Steine der alten Villa. Während die Überbleibsel des schicken Hauses unter Grünzeug versteckt bleiben, wurden im den Leibfriedschen Garten eine Kunststation installiert. Der Radweg vom Rosensteinpark Richtung Killesbergpark schlängelt sich durch den Garten der Villa, die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde. Wenn man ein Herz für skurrile Orte hat, findet man das durchaus sehenswert.

#6 Morbide Ruhestätte für AdligeDätzinger Schlossfriedhof, südwestlich von Stuttgart

Auf dem Schlossfriedhof ist Stimmung, wie’s an Lebtag noch nicht war. Die Party auf dem Friedhof bei Schloss Dätzingen wird gefeiert unter Moosen, Bodendeckern und anderem Grünzeug. Menschen sind erlaubt, erscheinen aber selten. Meistens bleiben die Pflanzen unter sich. Sie wuchern und wuchern. Gut so! Das freut die Entdeckerinnen und Entdecker verwunschener Orte. Die Ruhestätte geht auf Graf Carl Ludwig Emanuel von Dillen zurück, der sich um 1820 ein privates Gräberfeld anlegen ließ, vermutlich exklusiv für sich und seine Familienmitglieder. Wie der ganze Schlosspark ist die Anlage denkmalgeschützt. Sie gehört der Stadt Grafenau. Wie der gesamte Schlosspark steht auch diese Anlage unter Denkmalschutz. Sie gehört der Stadt Grafenau. Ein Förderverein kümmert sich um die Restaurierung. Die Grabstellen wurden kürzlich mit großer Sorgfalt aufbereitet, was einem vergessenen Ort durchaus gerecht wird.

#7 Verborgen unter der KlosterkircheDenkendorfer Krypta, südöstlich von Stuttgart

Bitte vorsichtig die Schritte setzen. Die Stufen hinunter in die Kryta können glitschig sein. Unter der Pelagiuskriche liegt die kleine Öffnung, geschützt von einem mächtigen Tonnengewölbe. Über Jahrhunderte hinweg war dies der Sehnsuchtsort für fromme Pilger. Darum trägt Denkendorf bis heute den Spitznamen ‚Klein-Jerusalem’. Schließlich galt eine Pilgerfahrt nach Denkendorf als vollwertige Ersatzhandlung für eine Reise ins Gelobte Land. Hier unten in der Krypta hielten die ‚Chorherren vom Heiligen Grab in Jerusalem’ ihre Gottesdienste ab. Lange her. Die mystische Stimmung wird verstärkt durch das eindringende Licht und die vielen Fresken und Verzierungen, die vom Kampf zwischen Gut und Böse berichten. Ein spiritueller Lost Place, bei dem man sich nie sicher sein kann, ob er wirklich schon lost ist. Könnte gut sein, dass der gute Geist der Chorherren heute noch Wunder wirkt.

#8 Große Historie, ungewisse ZukunftBaienfurter Waldbad, Oberschwaben

Kürzlich waren die ‚Toten vom Bodensee’ hier. In der ZDF-Serie werden mysteriöse Mordfälle aufgeklärt. Manche liegen lange zurück, sogenannte Cold Cases. Tatsächlich handelt es sich beim Drehort auch um einen Cold Case. Selbst nach 30 Jahren ist nicht geklärt, warum der Glaspalast des Waldbades abbrannte. Aber das war 1992, als der Ort längst verlassen war. Die Badeanstalt im Wald stammt aus dem 15. Jahrhundert. In den 1920er-Jahren hatte sie den Ruf eines kleinen Paris in Oberschwaben, was darauf hindeutet, dass die Feste ausschweifend und mondän gewesen sein müssen. Roaring Twenties zwischen Baienfurt und Bergatreute. In der Nachkriegszeit sprach man vom größten Eheanbahnungsinstitut der Region. Dann wurde der Betrieb eingestellt. Jetzt wuchert allerlei Grünzeug über die maroden Becken. Das Gelände ist Privatbesitz. Ein Investor plant, das historische Waldbad neu zu entwickeln. Mal sehen, wann die Tanzfläche wieder benutzt wird.

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