Frau macht mit Eiszeitflöte Musik in einer Höhle. Sie ist dick gekleidet.

UNESCO-Welterbe Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb

Der Klang der Eiszeit
16.7.20265 min. Lesedauervon Claudia List & Andreas Steidel
Sensationelle Eiszeit-Funde auf der Schwäbischen Alb: Schon seit 40.000 Jahre haben Menschen einen Sinn für Musik. Wir sind dem Klang der Eiszeit auf der Spur.

Eiszeitkunst und Musik aus der Steinzeit

Klang und Kreativität vor 40.000 Jahren
In den Höhlen im Ach- und Lonetal der Alb sind Grabungsteams auf sensationelle Funde gestoßen: Rund 40.000 Jahre alte Figuren, wie die „Venus vom Hohle Fels“, aber auch Bruchstücke von Flöten aus Knochen und Elfenbein. Sie zeigen, dass die eiszeitlichen Jäger schon Sinn für Musik hatten.
Besucher gehen durch eine hohe Halle einer Höhle.
Eine Höhle voller Geheimnisse
Im Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb wurden einige der bedeutendsten Kunstwerke und Musikinstrumente der Eiszeit entdeckt.

Flöten aus Mammutelfenbein und Vogelknochen

Melodien aus einer anderen Welt
Ein heller, zarter Ton durchdringt den Raum bis in ihren letzten Winkel. Andächtig lauschen die Besucherinnen und Besucher der Melodie, die der eindrucksvollen Höhle nochmal einen ganz besonderen Zauber verleiht. Dabei traut man dem zierlichen Instrument, auf dem Gabriele Dalferth spielt, eine solche Lautstärke gar nicht zu: Ihre Flöte ist gerade mal um die 20 Zentimeter lang und hat einen sehr kleinen Durchmesser – und ist ein Nachbau aus der Steinzeit, als die Menschen solche Instrumente aus Knochen und Mammutelfenbein geschnitzt haben. Erstaunlich, dass die Musikerin damit den ganzen Hohle Fels, wie die Höhle bei Schelklingen heißt, zum Klingen bringt.Die ehemalige Grundschullehrerin aus Königsbronn hat das Flötenspiel an der Musikschule unterrichtet. Fasziniert von den archäologischen Funden in ihrer Heimat hat sie außerdem eine Ausbildung der Universität Tübingen zum Archäoguide gemacht. Nachdem 2006 ein nur vier Zentimeter großes Mammut aus Elfenbein in der Vogelherdhöhle entdeckt wurde, sollte sie zu seiner feierlichen Präsentation auf der Flöte spielen. Ihr übliches Instrument fand sie nicht passend für diesen Anlass – und sie begann, sich mit dem musikalischen Erbe der Steinzeit zu beschäftigen. Heute sind ihre „Klänge aus der Urgeschichte“ in vielen Museen gefragt. Auch im Hohle Fels im Achtal hat sie schon häufiger gespielt.Durch einen schmalen Tunnel gelangt man hinein in den Hohle Fels, eine der größten Hallenhöhlen der Schwäbischen Alb. Ihre Grundfläche entspricht etwa zwei Tennisplätzen. Mit ihren 30 Metern Höhe vermittelt sie den Eindruck, in einer spärlich beleuchteten Kathedrale zu stehen. Das künstliche Licht sorgt auf den bucklig-höckerigen Wänden für ein faszinierendes Schattenspiel. Auf der gegenüberliegenden Seite steigt der Boden steil auf. Gabriele Dalferth, gekleidet in Felljacke und -schuhe und mit Lederbändern im Haar, steht oben wie auf einem Balkon und spielt. Noten sind natürlich keine überliefert, da lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf. Wo Informationen gesichert sind, hält sie sich aber daran. Etwa bei ihren Flötenrepliken, die sie alle erst einmal mit den Mitteln der damaligen Zeit nachgebaut hat. „Mit Feuersteinklingen haben die Menschen die Löcher geschabt“, erklärt sie und dreht das Instrument in ihrer Hand. Es ist der Nachbau einer Flöte, auf die ein Ausgrabungsteam 2006 im Hohle Fels gestoßen ist. Ein Instrument mit fünf Fingerlöchern, gefertigt aus Knochen, der Speiche eines Gänsegeiers.
Eine Frau pustet in Öffnung einer Eiszeitflöte. Sie steht vor einem Felsen.
Frau macht mit Eiszeitflöte Musik in einer Höhle. Sie ist dick gekleidet.
Die ersten Klänge der Menschheit
Gabriele Dalferth lässt auf einer Eiszeitflöte jene Klänge erklingen, die Menschen auf der Schwäbischen Alb bereits vor Jahrtausenden begleitet haben könnten.
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Die berühmte Venus vom Hohle Fels

Eine kleine Figur mit großer Bedeutung
Vor 40.000 Jahren haben die Menschen, die aus Afrika und über den Nahen Osten entlang der Donau eingewandert sind, in den Höhlen der Schwäbische Alb Schutz gesucht. Und dort Werkzeuge, Schmuck und Instrumente hinterlassen. Einer der Sensationsfunde war eine sechs Zentimeter hohe Figur, die vor rund 40.000 Jahren aus Elfenbein gefertigt wurde: Die „Venus vom Hohle Fels“ gilt als älteste bekannte Darstellung eines Menschen.„Die Höhle ist ein Schwammriff aus der Jurazeit“, erklärt Otto Schwabe. Der Experte führt regelmäßig Gruppen durch den Hohle Fels und hat dabei Menschen kennengelernt, die regelmäßig kommen, um hier auf der Gitarre zu spielen oder und einfach nur Zeit an einem für sie wichtigen Kraftort zu verbringen. Anschaulich erzählt Schwabe von der Geologie und davon, dass sich im Sediment organisches Material, wie das Elfenbein der „Venus vom Hohle Fels“, gut erhalten habe.
Drei verschiedene Eiszeitflöten aus Knochen.
Figur aus Mammut-Elfenbein ähnelt einem Menschen und steht vor einem Lagerfeuer
Meisterwerke aus Knochen und Elfenbein
Die Eiszeitflöten sind aus Schwanenflügel- und Gänsegeierknochen gefertigt. Sie zählen zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten der Welt.
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Eiszeitkunst im Achtal und Lonetal

Die Schatzkammern der Menschheitsgeschichte
Nicht nur im Hohle Fels, auch andernorts schlummerten Kunstwerke und Musikinstrumente in der Erde. Im Achtal zählen neben dem Hohle Fels auch das Geißenklösterle und der Sirgenstein zu den bedeutendsten archäologischen Stätten. Im nordöstlich von Ulm gelegenen Lonetal sind es die drei Höhlen Vogelherd, Hohlenstein-Stadel und Bockstein. Alle sechs gehören als Fundstellen der Eiszeitkunst seit 2017 zum Weltkulturerbe. Die ältesten bisher bekannten Flöten weltweit wurden hier entdeckt, außerdem Tiere, wie das Elfenbein-Mammut, und mit dem Löwenmenschen ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Der Hohle Fels steht – außer in den Wintermonaten, wenn sich dort Fledermäuse zurückziehen – Besucherinnen und Besuchern offen. Wer hineingeht, schreitet über einen Steg, unter dem Archäologinnen und Archäologen in der Tiefe graben in der Hoffnung auf weitere Entdeckungen. Ein Notenblatt wird vermutlich nicht auftauchen. Gabriele Dalferth kann also weiterhin ihrer Fantasie freien Lauf lassen – und mit ihr das vom Klang der Höhle faszinierte Publikum.
Wanderer stehen auf einer Brücke über einen kleinen Fluss und blicken zu einer Felsformation.
Eine Felsformation steht in einem bewaldeten Gebiet.
Blick aus einer Höhle Richtung Ausgang.
Höhle, von deren Eingang viel Licht hereinfällt.
Das Tor zur Eiszeit
Von außen wirkt der Hohle Fels im Achtal unscheinbar. Im Inneren der Höhle wurden einige der bedeutendsten Zeugnisse der Eiszeitkunst gefunden.
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Hohle Fels bei Schelklingen

Erlebnis Eiszeithöhle
Die Höhle, in der das ganze Jahr über um die acht Grad herrschen, liegt etwa eineinhalb Kilometer von Schelklingen entfernt. Informationen zu den Öffnungszeiten und Führungen sowie zum Stadtmuseum Schelklingen findet man unter www.hohle-fels-schelklingen.de/hohle-fels/oeffnungszeiten-fuehrungen.

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FAQ zum UNESCO-Welterbe Eiszeitkunst

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