Beleuchtetes Wohnhaus in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart

Architektur, die ihre Stadt erzählt

9 Bauwerke, die den Charakter der Städte des Südens erzählen
6.7.20266 min. Lesedauervon View York

Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier

Stuttgart: Wo die Moderne wohnen lernte
Kaum ein Ort erzählt die Moderne so klar wie der Stuttgarter Weissenhof. 1927 errichtete die europäische Avantgarde unter Leitung von Ludwig Mies van der Rohe die Weissenhofsiedlung, ein Manifest des Neuen Bauens und Schauplatz der legendären Werkbundausstellung “Die Wohnung”. Zwei der von Le Corbusier entworfenen Häuser gehören seit 2016 zum UNESCO-Welterbe. Im Doppelhaus, dem einzigen öffentlich zugänglichen Gebäude der Siedlung, ist heute das Weissenhofmuseum untergebracht. 2027, fast genau 100 Jahre später, rückt der Weissenhof als IBA'27-Projekt der Landeshauptstadt erneut in den Fokus: mit dem neuen Besuchs- und Informationszentrum Weissenhof.Forum. So wird sichtbar, warum Stuttgart zu den wichtigsten Schauplätzen moderner Baukultur in Deutschland zählt. Komm vorbei und steh dort, wo das Wohnen des 20. Jahrhunderts neu gedacht wurde.
Beleuchtetes Wohnhaus in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart
Wo die Moderne wohnen lernte | Weissenhofmuseum Stuttgart

Deutschlands größtes Science Center, die experimenta

Heilbronn: Wandel auf der Insel
Die experimenta steht auf der Kraneninsel, die Heilbronns Geschichte in sich trägt: von der mittelalterlichen Mühle über das Industriezeitalter bis in die Gegenwart. Das letzte Zeugnis der Industrieepoche ist der Hagenbucher, ein 1936 errichteter Ölsaatspeicher. Heute beherbergt er gemeinsam mit dem spektakulären Neubau des Büros Sauerbruch Hutton Deutschlands größtes Science Center. Kein anderes Bauwerk verbindet den historischen Kern so direkt mit dem neuen Stadtteil Neckarbogen, der zur Bundesgartenschau 2019 entstand. So steht die experimenta für Heilbronns Wandel zur Innovationsstadt: mit Bildungscampus, dem KI-Innovationspark IPAI und dem Titel Grüne Hauptstadt Europas 2027. Schau vorbei und erlebe, wie Heilbronn Geschichte und Zukunft auf einer Insel zusammenbringt.
Moderne, geometrisch gestaltete Gebäude der experimenta Heilbronn am Wasser, beleuchtet bei Nacht; bunte Lichtreflexionen spiegeln sich im ruhigen See, links sprudeln Wasserfontänen.
Wandel auf der Insel | experimenta Heilbronn

Der höchste Kirchturm Deutschlands, das Ulmer Münster

Ulm: Der Stolz einer Bürgerstadt
Das Ulmer Münster prägt die Silhouette der Stadt wie kein zweites Bauwerk. Mit rund 161,5 Metern besitzt es den höchsten Kirchturm Deutschlands, schon von Weitem weist er dir den Weg in die Altstadt. Das Besondere: Der gotische Bau wurde über Jahrhunderte von den Bürgerinnen und Bürgern selbst finanziert und getragen, nicht von Fürsten oder Kirche allein. Genau das erzählt die Geschichte Ulms: von Zusammenhalt, Tatkraft und dem Selbstbewusstsein einer freien Reichsstadt. Bis heute identifiziert sich die Stadtgesellschaft mit ihrem Münster, als Ort des Glaubens, der Gemeinschaft und der großen Feste. Wer die 768 Stufen zur Aussichtsplattform erklimmt, wird an klaren Tagen mit einem Blick bis zu den Alpen belohnt.
Zwei Besucherinnen blicken auf das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm Deutschlands
Der höchste Kirchturm Deutschlands | Ulmer Münster

Kurhaus Baden-Baden

Baden-Baden: Glanz vergangener Epochen
Der glanzvolle Mittelpunkt Baden-Badens ist das Kurhaus, dessen prachtvolle Säle bis heute die Eleganz vergangener Epochen atmen. Entworfen nach Plänen des Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil, gehört es zu den prägendsten Gebäuden der Stadt und gilt als Wahrzeichen der Region. Auch nach zwei Jahrhunderten steht es noch in seiner historischen Nutzung: als Ort für Konzerte, Mitternachtsdinner, rauschende Ballnächte und für einen Besuch im Casino. Über dieses sagte Marlene Dietrich einst, es sei das schönste der Welt. Ein guter Grund, dich selbst davon zu überzeugen. Komm vorbei und spüre, wie hier Kurkultur, Lebensart und Geschichte zusammenfinden.
Das klassizistische Kurhaus Baden-Baden mit seiner Säulenfassade hinter dem Kurgarten
Eleganz seit zwei Jahrhunderten | Kurhaus Baden-Baden

Konzerthaus Stadthalle

Heidelberg: Ein Juwel kehrt zurück
Für den Bau der Heidelberger Stadthalle gab 1903 ein Jubiläum den Ausschlag: die 100-Jahr-Feier der Universitätsreform durch Großherzog Carl Friedrich von Baden. Geschätzte 1.000.000 Goldmark kostete das festliche Haus damals, eine für die Zeit immense Summe. Über fünf Jahre wurde das Konzerthaus zuletzt umfassend saniert und dem Originalzustand von 1903 wieder angenähert. Im Februar 2026 öffnete es als modernes Konzert- und Kulturhaus von internationalem Rang neu. Flexible Raumkonzepte mit Hubböden, eine neue Akustik, barrierefreie Zugänge und die Öffnung zum Neckar bieten Publikum und Künstler:innen erstklassige Bedingungen. So verbindet die Stadthalle Tradition und Moderne, ganz wie Heidelberg selbst.
Festlich beleuchteter, historischer Konzertsaal der Stadthalle Heidelberg mit verzierten Emporen, Säulen und Orgel; davor moderne Bühne mit Orchesterstühlen und Notenpulten
Konzerthaus Stadthalle Heidelberg – Tradition neu inszeniert.

Freiburger Münster

Freiburg: 800 Jahre in rotem Sandstein
Das Freiburger Münster zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und erzählt über 800 Jahre Geschichte. Besonders beeindruckend ist der 116 Meter hohe Westturm, den der Kunsthistoriker Jacob Burckhardt einst als schönsten Turm der Erde bezeichnete. Seine filigrane, offene Turmspitze galt als Vorbild für viele europäische Kirchen. Auch die Bauzeit von über 300 Jahren zeigt, wie hier über Generationen hinweg geplant wurde, finanziert zu großen Teilen von der Bürgerschaft. Der rote Sandstein stammt aus der Umgebung: Das Münster ist also buchstäblich aus der Landschaft des Breisgaus gebaut. Mitten auf dem Münsterplatz, seit jeher Markt und Treffpunkt, steht es bis heute im Herzen des Freiburger Alltags.
Blick von oben auf einen Sonnenuntergang hinter einer Stadt mit großem Münster
800 Jahre in rotem Sandstein | Freiburger Münster

Weinbrenner-Ensemble am Marktplatz

Karlsruhe: Eine Stadt nach Plan
Kein anderer Ort prägt das Herz der Fächerstadt so sehr wie der Marktplatz, das architektonische Zentrum Karlsruhes und eng mit dem Werk des Stadtbaumeisters Friedrich Weinbrenner verbunden. Mit dem Rathaus, der Evangelischen Stadtkirche und der Gestaltung des Platzes schuf er Anfang des 19. Jahrhunderts ein klassizistisches Ensemble, das bis heute das Gesicht der Innenstadt bestimmt. Im Mittelpunkt steht die Karlsruher Pyramide: das Wahrzeichen der Stadt und Grabmal ihres Gründers, Markgraf Karl Wilhelm. Die klare Formensprache, die großzügigen Platzräume und das harmonische Zusammenspiel der Bauwerke spiegeln Weinbrenners städtebauliche Vision wider, Architektur, Stadtplanung und öffentliche Räume als ein Ganzes zu denken. Genau darin liegt die Geschichte Karlsruhes: der Anspruch, eine ganze Stadt nach Plan zu gestalten. Bis heute ist der Marktplatz ein lebendiger Treffpunkt. Komm vorbei und erlebe, wie hier Architektur, Geschichte und urbanes Leben zusammenfinden.
Marktplatz Karlsruhe mit Pyramide, Begrünung und der evangelischen Stadtkirche Karlsruhe
Eine Stadt nach Plan | Weinbrenner-Ensemble Karlsruhe

Schlosskirche St. Michael

Pforzheim: Von der Residenz zum Wahrzeichen
Die Schlosskirche St. Michael erzählt die Geschichte Pforzheims wie kaum ein anderes Bauwerk. Sie wurde im 13. Jahrhundert errichtet und war einst Teil der markgräflichen Schlossanlage, als Pforzheim noch Residenzstadt der badischen Markgrafen war. Bekannt ist sie für ihren gotischen Baustil und ihren markanten Turm, lange diente sie zudem als Grablege des Hauses Baden. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach erweitert und restauriert. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde sie in den Folgejahren wieder aufgebaut. So verbindet sie Mittelalter und moderne Stadtgeschichte. Heute dient sie Gottesdiensten und kulturellen Veranstaltungen und ist durch ihre zentrale Lage ein bedeutendes Wahrzeichen der Goldstadt.
Die Schlosskirche St. Michael mit ihrem markanten Turm in der Pforzheimer Innenstadt
Von der Residenz zum Wahrzeichen | Schlosskirche St. Michael Pforzheim

Kunsthalle Mannheim

Mannheim: Zwei Epochen, ein Platz
Neben herausragender Kunst erwartet dich in der Kunsthalle Mannheim eine beeindruckende Architektur. Der historisch gewachsene Komplex liegt am Friedrichsplatz, einem der schönsten Plätze der Stadt, und vereint zwei Epochen: Hermann Billings Jugendstilbau von 1907 und den 2017 fertiggestellten Hector-Bau des Hamburger Büros von Gerkan, Marg und Partner. Zusammen bieten sie rund 5.700 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Der Jugendstilbau entstand im selben Zug wie der benachbarte Wasserturm und gehörte zur Jugendstilanlage am Friedrichsplatz. Der Neubau war nicht unumstritten, doch genau darin liegt sein Reiz: Er bringt Historie und Moderne in einen spannenden Dialog. So erzählt die Kunsthalle, wie Mannheim Tradition und Aufbruch immer wieder neu zusammendenkt.
Blick auf eine Halle mit Grünflächen davor auf denen Säulen aus Metall stehen.
Zwei Epochen, ein Platz | Kunsthalle Mannheim